Was ist ADS/ADHS

Zunächst einige Worte dazu, was ADS/ADHS mit Sicherheit nicht ist:

  • ADS hat nichts mit schlechter Erziehung zu tun

  • ADS entsteht nicht, weil Mütter berufstätig sind

  • ADS hat nichts mit Umweltfaktoren zu tun

ADS
ist eine Stoffwechselstörung ...

... nach den offiziellen diagnostischen Leitlinien spricht man von einem Syndrom ... einem AufmerksamkeitsDefizitSyndrom (auch ADHS) - im Englischen heißt es ADD - attention deficit disorder (bzw. ADHD). (Hier finden Sie weitere Bezeichnungen, hinter denen sich ebenfalls ADS verbirgt.)
Beim ADS handelt es sich um eine neurobiologisch bedingte Störung im Neurotransmitterhaushalt des Gehirns (siehe auch Was sagt der Fachmann zu medizinischen, psychologischen und sozialen Komponenten).

Unter dem Begriff ADS verbirgt sich eine Vielzahl von Symptomen. Ein Blick hinter die Fassade dieser Symptome eröffnet uns eine ganze Reihe von Attributen, die wir mit ADS in Verbindung bringen; die wichtigsten bzw. bekanntesten sind:

  • Hyperaktiv
    Hierbei denken wir in erster Linie an nerviges, störendes Verhalten, stete motorische Unruhe, lautes Geschrei - kurz: wir denken an den "Zappelphillip".
    Verträumt
    Hier sehen wir eher das Kind, das ständig durch Jeden und Alles abgelenkt wird, das sich nicht zielgerichtet konzentrieren *) kann: wir sehen den "Hans-Guck-in-die-Luft".
     
    Impulsiv
    Auch hierbei steht das Stören im Vordergrund: das Kind, das lauthals ungefragt seine Antworten in den Unterricht hinein ruft, das Kind, das zuerst handelt, dann erst denkt.

Alle drei Grundtypen finden wir auch kombiniert und es kann noch nach einer Reihe weiterer Sympome unterschieden werden.
Sie sehen - Ihr Kind muss also nicht unbedingt hyperaktiv sein, um vom ADS betroffen zu sein.
Das Hauptaugenmerk der Störung ist eindeutig bei den Merkmalen "unaufmerksam" und "unkonzentriert" zu sehen - alles Weitere können Begleiterscheinungen sein, sie müssen aber nicht!

*) Achtung: Viele ADSler können sich bei Dingen, die sie sehr interessieren, über Stunden hinweg konzentrieren - sie hyperfokussieren!
Bei alltäglichen, banalen Sachen gelingt diese zielgerichtete Konzentration meist jedoch überhaupt nicht - sie können die Aufmerksamkeit nicht steuern, weil einfach zu viele Reize auf sie einströmen (da stört die Fliege an der Wand, das Ticken der Uhr, das vom Baum herab fallende Blatt, das vorbei fahrende Auto ... es strömen einfach viel zu viele Reize ein, die nicht gefiltert werden können).

Seitdem der Nervenarzt Dr. Hoffmann im Jahre 1847 seinen "Struwwelpeter" zu Papier brachte, gibt es unzählige Berichte von solch "auffälligen" Kindern.
Seit dem hat sich viel getan: Es wurde geforscht und dazugelernt.
Dennoch leben wir in Deutschland nach wie vor in einem Entwicklungsland, was das Thema ADS betrifft.

Zwar geht man heute davon aus, dass ein hoher Prozentsatz aller Kinder, die in Sonderschulen, Lerneinrichtungen etc. landen, unter ADS leiden, dem Gegenüber stehen aber nach wie vor viel zu wenig "aufgeklärte" Fachleute, seien es Ärzte, Therapeuten, Lehrer, Erzieher usw.
Dass ADS eine ernstzunehmende Erkrankung ist, steht zwischenzeitlich außer Zweifel - nur leider wird diese Erkrankung immer noch ignoriert, ja teils sogar regelrecht negiert und als "Modekrankheit" bezeichnet.

Es kann und darf nicht sein, dass unbehandelte ADS'ler ihr Leben lang unter dieser Störung leiden, dass sich Spätfolgen einstellen, die irreparabel sind, dass diese Kinder in Schulen für Schwererziehbare oder Lernbehinderte, in Heimen und psychiatrischen Anstalten landen - nur weil "man" in Deutschland die Augen verschließt.