Was tun?



Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor???
Dann sollten Sie auf jeden Fall weiter lesen ...

- Sie wissen bereits, dass Ihr Kind hochbegabt ist: Lesen Sie direkt anschließend weiter
- Sie wissen bereits, dass Ihr Kind ADS hat:
Lesen sie hier weiter


Ihr Kind ist hochbegabt:

  • Obwohl Sie wissen, dass Ihr Kind hochbegabt ist, macht es "dicht", wenn es um's Lernen geht?
    Dabei müsste es den Unterrichtsstoff doch "mit Links" beherrschen, wenn es nach seinen geistigen Fähigkeiten geht. Vielleicht macht es Fehler über Fehler in Deutsch, wird bei den Hausaufgaben nicht fertig ... oder in Mathematik wimmelt es vor Flüchtigkeitsfehlern.
  • Vielleicht kann Ihr Kind dem Unterricht nicht folgen, es verträumt die Stunden, sieht zum Fenster heraus, malt Blümchen ...
  • Oder Ihr Kind zeigt schlechtes Sozialverhalten, das in keinster Weise anerzogen wurde, das man dem Kind nicht vorgelebt hat und das es auch im Kindergarten oder in der Schule nicht "gelernt" hat.
  • Bei Ihrem hochbegabten Kind wurden Wahrnehmungsstörungen und/oder Teilleistungsstörungen diagnostiziert, denen Sie mit Hilfe von z. B. Ergotherapie, LRS-Therapie o.ä. beizukommen versuchen - ohne nennenswerten Erfolg ...

Wenn Sie bereits wissen, dass Ihr Kind sehr intelligent ist, dennoch mit seiner Umwelt nicht klar kommt, dennoch verhaltensauffällig ist, dennoch Schulschwierigkeiten hat ... sollten Sie sich Eines klar machen:

Man kann bei hochbegabten Kindern nicht alles auf "Unterforderung" und Langeweile schieben.

Kein Kind zieht sich mit Absicht den Zorn der Eltern zu, kein Kind hat den Vorsatz, jetzt rufe ich meine Antwort in den Unterricht hinein, kein Kind zappelt ständig mit dem Stuhl herum, weil es das will ... und kein Kind wird mit Absicht den Unterricht verträumen, mit Absicht die Konfrontation zu seinen Schulkameraden suchen.

Sicherlich lassen sich durch geeignete kognitive Maßnahmen viele Probleme beheben - aber wenn Sie damit nicht weiterkommen, sollten Sie nicht zögern, Ihr Kind auf ADS überprüfen zu lassen.

Denn eines ist gewiss: ADS kann in allen sozialen Schichten vorkommen (da hilft auch der Familienname "von und zu .. " nichts) und ADS kommt in allen Stufen der Intelligenz vor!

Selbst das höchstbegabte Kind kann von ADS betroffen sein.

Sie sollten also nicht zögern, Ihr Kind einem Psychologen vorzustellen, der sich sowohl mit Hochbegabung als auch mit ADS auskennt!


Ihr Kind hat ADS:

Genausowenig wie bei der Hochbegabung alle negativen Verhaltensweisen auf Unterforderung geschoben werden können, kann man beim ADS-Kind alles nur auf mangelnde Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit schieben. Hier verhält es sich genau umgekehrt:

Man muss beim ADS-Kind prüfen, ob nicht eine Unterforderung vorliegt.

Dazu bedarf es unbedingt der Austestung der Intelligenz. Viele ADS-Kinder wären durchaus in der Lage Leistung zu erbringen, wenn man sie ihnen nicht von vorne herein verweigern würde, nur weil man von ADS weiß (und die Kinder ganz einfach als ein bißchen "zurückgeblieben" oder "gestört" ansieht).

Unsere Gesellschaft neigt gerne dazu, ADS-Kinder als dumm oder minderbegabt einzustufen - und genau das ist häufig absolut nicht der Fall.

Daher sollte man beim ADS-Kind auf jeden Fall einen Intelligenz-Test vornehmen - dies vorzugsweise mit einen Test der differenziert, d.h., der mit verschiedenen Untertests eine Reihe von Fähigkeiten sowohl nonverbal als auch verbal überprüft.
(Ein ausschließlich nonverbaler Test ist meist auf math.-logische Fähigkeiten ausgerichtet, ebenso ist ein Multiple-Choice-Test nicht unbedingt "das Wahre", da speziell im Verbalteil jeweils nur 1 Lösungsmöglichkeit als "richtig" anerkannt wird ... und hochbegabte Kinder eben in der Lage sind, vielfältige Assoziationen herzustellen ... demnach auch durchaus mehrere richtige Lösungen finden können).
Anhand eines Auswertungsprofils kann man Stärken und Schwächen ablesen - und entsprechend reagieren!
Denn ggf. kann man bereits mit der Ergreifung von geeigneten kognitiven Maßnahmen negative Verhaltensweisen, die in diesem Falle durchaus von Unterforderung herrühren können, abstellen.

Ein ADS-Kind, das begabungsgerecht gefördert wird, ist sehr wohl in der Lage, hohe und höchste Leistungen zu erbringen.
Man muss es nur zulassen!

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 Einige grundsätzliche Verhaltensregeln für das ADS-Kind *):
  • Bei allen Anforderungen an das Kind sollte eine ruhige Atmosphäre geschaffen werden und die Erwachsenen sollten ihre Aufforderungen und Hinweise ruhig, eindeutig und ohne viele Worte geben.
  • Immer nur zu einer Sache auf einmal auffordern - immer eines nach dem anderen! ("Mach jetzt bitte Deine Mathe-Aufgaben." - Nicht: "Zuerst machst Du jetzt Mathe, dann Deutsch und anschließend musst Du noch für ... lernen").
  • Loben, loben, loben Sie ihr Kind und belohnen Sie es für gutes Verhalten, für kleine und kleinste Fortschritte (die man selbst als durchaus "normal" ansieht, die für das ADS-Kind aber oftmals nur mit größter Anstrengung zu erreichen sind).
    Bei allen Tätigkeiten sollte Erfolg sofort für das Kind erlebbar sein, z. B. sollten Erwachsene das jeweils Gutgelungene eindeutig - nicht beschönigend - loben.
  • Vermeiden Sie unbedingt emotionale Reaktionen, Zorn, Sarkasmus und Spott. Vergegenwärtigen Sie sich, dass Ihr Kind Schwierigkeiten mit seiner Impulskontrolle hat und es sich noch schlechter fühlt, wenn man ihm erzählt, eine Sache sei sooo einfach und jeder könne das "mit Links" - gerade das hochbegabte ADS-Kind reagiert hier besonders sensibel, da es in der Regel ja sehr perfektionistisch ist.
  • Bei allen Tätigkeiten sollten möglichst wenig Störreize auftauchen (z. B. Geräusche, unruhiges Licht, wirre Muster in der Spiel- oder Arbeitsunterlage). Führen sie eine bestimmte Zeit ein, in der das Kind Hausaufgaben macht - und halten Sie sich daran.
  • Ordnung beim Spielen und Lernen ist sehr wichtig. Dies bedeutet, dass nur wenig, aber überschaubares Material auf einem ungemusterten, zurückhaltenden Untergrund vorhanden sein soll. Überflüssiges sollte weggeräumt werden.
  • Regeln sollten positiv formuliert werden und zwar in einer Form die dem Kind klar sagt, was es tun soll.
    Werden Regeln gesetzt und das Einhalten geübt (mit unmittelbarer Ruhe und Gelassenheit und ohne ständige Diskussion) lernt das Kind zunächst mit Unterstützung und dann auch selbständig Sachen zu erledigen (leider dauert dies beim ADS-Kind meist wesentlich länger, als beim Nicht-ADS-Kind).
  • Pläne, auf denen die Regeln aufgeschrieben sind und auch die Konsequenzen bei Nichteinhalten können hier (zuhause wie auch in der Schule) sehr hilfreich sein.
  • Generell brauchen ADS- Kinder viel Steuerung von außen, da ihnen die Selbststeuerung so schwer fällt. Die stetige Fremdkontrolle empfinden sie zumeist nicht als Bevormundung, sondern als Hilfe. Es macht sicher.
  • Alle Spiele oder Arbeitsaufgaben sollten in relativ kurzer Zeit zu einem Abschluss zu bringen sein.
  • Sehr effektiv ist die Schaffung eines besonderen Auszeit-Ortes, wohin das Kind gehen kann, wenn es sich nicht unter Kontrolle hat (bitte nicht als Bestrafungsort ansehen, sondern als Ort, wo das Kind sich beruhigen kann).
    Nach rund 20 Minuten hat sich die Erregungskurve in der Regel soweit abgesenkt, dass das Kind wieder auf "normalem" Niveau reagiert (aber wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Kind dann nicht mehr weiß, warum es überhaupt im Auszeit-Zimmer war ...)
    Wenn die Situation eskaliert, fordern Sie Ihr Kind auf, in das Auszeit-Zimmer zu gehen; mit der Zeit lernt es selbst, wann die Auszeit von Nöten ist.
  • Laufen Sie Ihrem Kind niemals hinterher, um noch dieses oder jenes Argument anzubringen - das verschärft die Situation nur noch mehr. Warten Sie ab - Ihr Kind muss sich erst "entärgern"!
  • Schließlich: wenn die Situation einfach zu sehr eskaliert, verlassen Sie selbst den Raum. Zählen Sie bis 10, "entärgern" Sie sich (notfalls pfeifen oder singen Sie, das entspannt ;-)) - und versuchen Sie dann, einen neuen Anfang zu finden - ohne Vorwürfe und ohne auf das Verhalten vorher einzugehen.
  • Für das ADS-Kind ist Konsequenz in der Erziehung von besonderer Wichtigkeit. Das Kind muss im Erzieherverhalten eindeutig erkennen können, dass Eltern und Erzieher in ähnlichen Situationen auch ähnlich handeln. Das verhilft dem Kind zu mehr Sicherheit; es zeigt ihm deutlich, wo die Grenzen und wo die Freiräume liegen. Durch diese Klarheit entspannt sich das Zusammenleben. Hierzu gehört auch ein fester und geregelter Tagesablauf. Täglich Wiederkehrendes (z. B. Essenszeiten, Hausaufgaben, Zubettgehen) sollten immer wieder zur gleichen Tageszeit erfolgen.

Aber Achtung:
Gerade das hochbegabte ADS-Kind ist i.d.R. in seinem Denken und Handeln sehr "autark" ...
Diese Kinder wissen oft frühzeitig rein intuitiv, was ihnen "gut" oder "weniger gut" tut ... hier sollte man durchaus seinem Kind vertrauen und sich auf "seine Regeln" einlassen - dann kommt es oftmals gar nicht erst zu kritischen Situationen!
(Was natürlich nicht heißt, dass man sich als Eltern auf dem Kopf herum tanzen lassen soll ... )!

Nur - als Eltern bekommt man die Erziehungsregeln für sein Kind nicht automatisch mit in die Wiege gelegt, folglich orientiert man sich bei auftauchenden Problemen an einschlägigen "Elternratgebern" oder "Richtlinien für die Erziehung"... und es ist ein langer Prozess bis man dahinter kommt, dass man bei hochbegabten Kindern mit "allgemeingültigem Erziehungsverhalten" nicht unbedingt richtig liegt.
Also ist Umdenken angesagt ... denn es kann durchaus sehr hilfreich sein, wenn man aus dem normalen Erziehungsmuster ausbricht und hier und da alle Fünfe gerade sein lässt.
Hat man sich erst einmal mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass hochbegabte ADSler "wissen", was für sie richtig ist, ist das Miteinander oftmals wesentlich leichter.

Ein einfaches Beispiel ist die Ausübung von Hobbies: Hier neigen hochbegabte Kinder häufig zu vermeintlich "exotischen" Vorlieben ...
Wenn es irgendwie möglich ist, sollten diese Vorlieben unterstützt werden!
Das bringt im Endeffekt für das Kind viel mehr (auch an Zufriedenheit und Selbstbewusstsein), als wenn man es von der Musikschule zum Fußball, zum Judo, zum Tennis, zum Schach oder oder oder "schleppt", einfach weil man denkt, das man diese Tätigkeiten "anbieten muss, weil es so üblich ist" oder "das Kind schon Gefallen daran findet, wenn es erstmal lange genug dabei ist"...

Genau ein solch erzwungenes Hobby endet nämlich meist mit dem Ergebnis, dass der Frust beim Kind immens ist ... weil sein Interesse ja eigentlich beim Alphornblasen, Kalligraphie-Schreiben, Zaubern oder Schauspielern liegt (und seien Sie sicher: diesen Frust bekommen Sie in aller Heftigkeit zu spüren ...).

Ein selbstgewähltes Hobby (und sei es noch so ausgefallen) ist für die Kinder "Eigentherapie" - und das sollten Sie auf jeden Fall unterstützen!
Also - nur Mut ... auch wenn Ihr Umfeld den Kopf schüttelt, Verwandte, Bekannte und Nachbarn Sie für verrückt erklären ...

Diese Seite wurde letztmalig am 29. 12. 2001 aktualisiert.

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