Lernstörungen
oder Teilleistungsschwächen

Häufig treten - gerade auch bei sehr begabten Kindern - Teilleistungsschwächen zu Tage, die man sich nicht erklären kann.
Insbesondere ist hier Legasthenie (Lese-/Rechtschreibschwäche) zu nennen (aber auch Dyskalkulie, siehe hier).

Legasthenie

Ein Phänomen, dem die Umwelt zwar durchaus verständnisvoll begegnet ... aber leider nur in dem Zusammenhang mit "minderbegabt", "behindert" usw..
Eine solche Lernstörung im Zusammenhang mit hoher Intelligenz - "Nein, sowas kann doch nicht sein ... !" - So die Reaktion der meisten Mitmenschen.

Dass dies sehr wohl sein kann, ist in den Biographien von vielen bekannten Persönlichkeiten nachzulesen, deren Legasthenie erwiesen bzw. durch Indizien belegbar ist. Erstaunlich ist hierbei allerdings, dass es sich meist um ausländische Personen handelt ... in Deutschland schämt man sich nach wie vor, sich zu dem Problem "Legasthenie" offen zu bekennen.

Ein paar Namen berühmter Legastheniker gefällig?
Thomas A. Edison, Albert Einstein, Nelson Rockefeller,
Hans Christian Andersen, Leonardo da Vinci, Auguste Rodin, Winston Churchill, Charles Darwin, Harry Belafonte, Alexander Graham Bell, Gustave Flaubert, Paul Ehrlich, Whoopi Goldberg, Walt Disney, Cher, Henry Ford ...
Ich könnte diese Liste beliebig fortsetzen.

Sollte Ihr Kind also unter Legasthenie leiden - sie sehen, es befindet sich in guter Gesellschaft.
Ich weiß, das hilft Ihnen nicht weiter ... aber tröstet es nicht ein wenig?


Übrigens: Erfahrene Diagnostiker machen einen Unterschied, wenn das Kind ADS hat ...
Beim ADS-Kind können legasthene Probleme durch das mangelnde Konzentrationsvermögen sowie durch Wahrnehmungsstörungen hervorgerufen werden.
Oftmals ist es so, dass sich unter Ritalinvergabe die Lese- und Rechtschreibleistung drastisch verbessert ... dann redet der Fachmann von "erworbener" Legasthenie ... verbessert sich nichts, ist es eine tatsächliche Legasthenie ...

Leider wird der Unterschied zu selten erkannt - und leider wird meist mit den völlig falschen Methoden dagegen an gegangen ...

Wiederholungen, Wiederholungen ... immer das selbe Wort üben ... genau DAS führt beim hochbegabten Kind zur Konfusion - und dann geht gar nichts mehr, der Misserfolg ist vorprogrammiert!

Viele Legastheniker wären mit einer anderen Therapie als der "herkömmlichen" Methode, die auf Wiederholungen setzt, wesentlich besser bedient ... "Assozieren" und "Begreifen" im wahren Wortsinn bringen das Kind hier viel weiter.

Weitere Erläuterungen dazu gibt es unter Sichtweise


Legasthenie

Nachstehend ein Überblick über Legasthenie-Symptome:

Lesen

Rechtschreibung

Viele Fehler beim lauten Lesen

Häufige Fehler beim Abschreiben

Häufiges Selbstkorrigieren

Viele Fehler in Diktat und Aufsatz

Langsames/mühsames Erlesen von Wörtern

Verwechslung visuell ähnlicher Buchstaben ("dlau" statt "blau")

Probleme bei der Verschmelzung von Einzellauten zu Lautfolgen

Verwechslung ähnlich gesprochener Buchstaben ("krün" statt "grün")

Silbenweises Lesen von Wörtern

Weglassen von ganzen Wörten und Wortteilen ("Fernseh" statt "Fernsehzeitung"
Wortweises Lesen von Sätzen und Texten

Probleme bei der Sinnerfassung

Weglasssen von Buchstaben
("Apfe" statt "Apfel")

Vertauschen der Buchstaben ("Fabirk" statt "Fabrik")

Rechtschreibregeln werden nicht beachtet ("Bager" statt "Bagger"

Schreibhemmung

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Auszug aus der homepage des Duden-Verlages
"Legasthenie - Eine Definition für die Schule"

Eltern werden mehr durch die schulischen Probleme ihres Kindes berührt als durch eine internationale Definition. Auch die Schule wird die Schwierigkeiten des Kindes besser erkennen und verstehen können, wenn eine beschreibende Definition sich auf diese Schwierigkeiten bezieht. Daher folgt hier eine Definition mit Erläuterungen, die vor allem die schulischen Probleme der betroffenen Kinder berücksichtigt:

Spezifische oder umschriebene Lese-Rechtschreib-Schwächen (Legasthenien) sind die in der Schule auffallenden Erscheinungsbilder partiellen Lernversagens im Lesen und/oder Rechtschreiben bei nicht beeinträchtigten intellektuellen Lernvoraussetzungen und – zunächst – besseren Schulleistungen in anderen Bereichen. Durch fortgesetzte Entmutigung kann die Legasthenie das Erscheinungsbild allgemeinen Schulversagens annehmen.

Zugrunde liegen diesen Erscheinungsbildern jeweils unterschiedliche Kombinationen von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, Motorik und der sensorischen Integration (Zusammenspiel verschiedener Wahrnehmungsbereiche). So ergeben sich unterschiedliche Schweregrade und Schwerpunkte der Lernschwierigkeiten des einzelnen Kindes.

Die Teilleistungsschwächen erschweren insbesondere die Unterscheidung von Buchstabenformen (visuelle Detailerfassung) und/oder die Unterscheidung von ähnlichen Sprachlauten (auditive Diskrimination) -
(siehe hierzu auch Sichtweise)
.

Die Teilleistungsschwächen gehen ursächlich auf Erbfaktoren oder auf
Hirnreifungsverzögerungen durch Infekte oder andere Risiken zurück, die vor,
während oder nach der Geburt aufgetreten sind, bzw. auf das Zusammenwirken beider Ursachen. (DUMMER-SMOCH, 1996).

In den Definitionen der Legasthenieforscher in den Jahren 1950 bis 1970 wurde vor allem die Diskrepanz zwischen zu schwacher Lese- und Rechtschreibleistung und besserer Intelligenz hervorgehoben. Damals war die Erfahrung neu, dass es normal begabte Kinder mit genau den Leselern- und Rechtschreibproblemen gibt, die man sonst bei allgemein lernbehinderten
Kindern beobachtet hatte.

Zum "Ratgeber Legasthenie" des Dudenverlages


Dyskalkulie

Eine nicht weniger problematische Teilleistungsschwäche ist Dyskalkulie - auf die man bei hochbegabten Kindern allerdings scheinbar seltener trifft als auf Legasthenie.

Dyskalkulie (Rechenschwäche, Arithmasthenie) ist eine Teilleistungsschwäche im mathematischen Bereich, sie äußert sich durch chronisches Versagen in Mathematik, durch fehlendes mathematisches Begriffsvermögen, insbesondere mangelndes Verständnis für Zahlen und Mengen, während in anderen Fächern durchaus durchschnittliche bis sehr gute Leistungen gezeigt werden (können).


Erscheinungsbilder/Symptome:

  • wenig oder gar kein Verständnis für Mengen und Zahlen
  • Rechenabläufe werden mechanisch durchgeführt, aber nicht verstanden
  • Zehner-, Hunderter-, Tausender-Überschreitungen werden nur schwer oder gar nicht erreicht
  • die Reihenfolge von Operations- und Gleichheitszeichen wird nicht eingehalten, z.B. 1 = 1 + 2 statt 1 + 1 = 2
  • Stellenwerte und Zahlenaufbau werden nicht verstanden, z.B. aus 12 wird 21, aus 34 wird 43
  • fehlende Fähigkeit, Folgeschlüsse zu ziehen, z.B. aus 15 + 1 = 16 folgt 35 + 1 = 36

Auch hier gilt: das Kind muss die Zahlen "begreifen" können (siehe "Sichtweise").

Ein probates Mittel, diesen Kindern beim Verständnis von Zahlen und Mengen zu helfen, ist der Einsatz eines Abakus' (Rechenschieber; möglichst mit farbigen Perlen) - denn man kann schlecht für 100er oder 1000er-Zahlen Äpfel auf den Tisch legen, um diese abzuzählen ;-).

Ist kein Abakus zur Hand, tut es zur "ersten Hilfe" auch eine Zahlentafel, die man wie folgt farbig aufmalt (vielleicht auch farbige Spielsteine einsetzt):

einer in braun
o
zehner in lila
oo
hunderter hellgrün
ooo
tausender in gelb
oooo
zehntausender rot
ooooo

Folgende Addition soll als Beispiel dienen: 30.000 + 300 + 2.
Das Kind soll die einzelnen Zahlen zunächst abzählen und dann der jeweiligen Farbe zuordnen.
Also: 30.000, das sind immer 5 rote Ziffern (also Zehntausender)... die Zahl in rot aufschreiben (und vielleicht über jede Ziffer einen l (Strich) machen - d
ann kann man die Striche abzählen).
Nun kommt + 300, das sind immer 3 Ziffern in hellgrün ... das Kind soll diese Zahl in grün schreiben
Dann kommt + 2 ... das schreibt es in braun ...

l l l l l
30.000
l l l
300
l
2

Das Kind muss begreifen (mit Spielsteinen) bzw. assozieren (mit Farben), aus wie vielen Ziffern sich die jeweiligen Zahlen zusammen setzen ... wenn es verinnerlicht hat, dass Zehntausender rot sind und immer!!! 5 Ziffern haben - wird es das überschauen können ...
D
ass 5 Ziffern eine riesengroße rote Zahl ist, die immer über 10.000 geht ... wohin gegen 2 Ziffern eine kleine Zahl bis Hundert bedeutet und lila ist ...

Man muss das Kind gezielt abfragen ... 3 Ziffern = Antwort: grün = Hunderter usw.
Das Kind muss es sich richtig vorstellen können ... dann lernt es den Zahlenraum zu überblicken.

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Stand: 29. 12. 2001